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Liebe Interessierte an der Hamburger Bio-Offensive,

neben dem Klimawandel ist der Verlust der biologischen Vielfalt eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Besonders der Rückgang der Insekten ist alamierend. Verschiedene Untersuchungen in Deutschland (z.B. von 2013 oder von 2019) konnten mancherorts einen Rückgang von 75 % - 80 % in den letzten Jahrzehnten verzeichnen. Insketen nehmen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen ein und ein Fehlen belastet das sensible Gleichgewicht.

Ende Februar luden wir alle Bio-Betriebe Hamburgs zu einem Treffen ein und wandten uns dem Thema Biodiversität auf dem Bio-Betrieb zu. Arne Bilau vom Versuchs- und Beratungsring im Norden e.V. zeigte uns das Ausmaß des Artensterbens und wie jeder Betrieb dazu beitragen kann, diesem entgegenzuwirken.

Die erste Umstellungsveranstaltung der Hamburger Bio-Offensive fand zu dem Thema ökologischer Gartenbau statt. Darüberhinaus haben wir Änderungen an unserer Website vorgenommen. Mehr dazu finden Sie unten im Text.

Viel Spaß beim Lesen!

 
 
 

Karte der Hamburger Bio-Betriebe

Auf unserer Homepage werden nun die ökologisch wirtschaftenden Betriebe der Freien und Hansestadt Hamburg auf einer Karte angezeigt. So sollen die Bio-Betriebe sichtbar werden. Mit einem Klick auf den entsprechenden Betrieb werden die Arbeitsschwerpunkte des Betriebes aufgelistet.

Sind Sie Betriebsleiter eines Bio-Betriebes in Hamburg und noch nicht auf unserer Karte verzeichnet? Schreiben eine Mail an anders@oekolandbau-hh.de. Wir benötigen Ihr schrichtliches Einverständnis, um diese Informationen veröffentlichen zu können, Kosten fallen für Sie keine an!

 

Treffen der Bio-Betriebe

Biodiversität auf dem Bio-Betrieb schützen und fördern

Zwei Mal im Jahr lädt die Hamburger Bio-Offensive die ökologisch wirtschaftenden Betriebe Hamburgs zu einem Austausch ein. Die Treffen geben Raum die Bedarfe, Anregungen und Hinweise der bestehenden Bio-Betriebe in die Projektarbeit aufzunehmen und zu diskutieren. Wir nutzten das Treffen, um neue Projektinhalte zu präsentieren. Klaus Bongartz, Bio-Zierpflanzenberater, veranschaulichte seine bisherige Arbeit mit der Hamburger Bio-Offensive anhand von Filmen und Fotos und stellte den Arbeitskreis Bio-Zierpflanzen vor (siehe Newsletter Februar 2021).

Zusätzlich wurde das Thema Biodiversität auf dem Bio-Betrieb betrachtet. Arne Bilau vom Versuchs- und Beratungsring Ökologischer Landbau im Norden e.V. zeigte, dass viele Studien der ökologischen Landbewirtschaftung einen positiven Einfluss auf Artenzahl und -masse belegen (Thünen Report 65, 2019). Dennoch können auch Bio-Betriebe aktiv den Artenschutz fördern, dazu stellte er beispielhaft verschiedene einfach umsetzbare Maßnahmen vor.

Der Anbau von Klee- und Luzernegras kann Nahrung für pollenliebende Insekten, wie Bienen- oder Schmetterlingsarten, bereitstellen. Bei der Mahd ist es sinnvoll einzelne Streifen stehen zu lassen, um Nahrung- und Unterschlupfmöglichkeiten weiterhin zu gewährleisten. Die Mahdzeiten können zusätzlich an die Brutzeiten von Wiesenbrütern angepasst werden, sodass keine Gelege zerstört werden. Eine frühe erste Nutzung und ein verzögerter zweiter Schnitt kann große Effekte auf die Wiesenbrüterpopulation, wie zum Beispiel die Feldlerche, haben. Zusätzlich fällt bei dieser Maßnahme der Verlust an Futterqualität und -menge, vergleichsweise gering aus.

Ein Lesesteinhaufen kann z.B. zu einer wirksamen Naturschutzmaßnahme aufgewertet werden, indem diesem Kies und Totholz untergemischt wird. Somit stellt er ein Habitat für Amphibien und Brutmöglichkeiten für Insketen, wie zum Beispiel Wildbienen, dar.

Arne Bilau berät Betriebe, die betriebsindividuellen naturschutzrelevanten Besonderheiten zu erfassen und dazu gezielt Maßnahmen für den Naturschutz zu entwicklen. Zusätzlich kann er über ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten und Agrarumweltmaßnahmen informieren und beraten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Ökoring.

 

Gärtnerischer Bio-Gemüsebau als Option für Hamburgische Betriebe

Am Donnerstag den 25. Februar fand die erste Veranstaltung der Hamburger Bio-Offensive in diesem Jahr statt. Schwerpunktthema stellte der ökologische Gemüsebau dar.

Nach einer Vorstellungsrunde der ca. 11 Teilnehmer*innen gewährte uns Frau Gabriele Held, Marktexpertin für Fruchtgemüse von der AMI, einen umfassenden Einblick in die Marktsituation von ökologisch erzeugtem Frischgemüse. Besonders stark stieg der Umsatz im letzten Jahr, so konnte hier ein Anstieg an ökologisch erzeugten Gemüse um 19 % verzeichnet werden (konventionell erzeugtes Gemüse stieg um 14 %). Der Naturkostfachhandel erfuhr einen regelrechten Boom, aber auch der Einzelhandel verzeichnete eine deutlich höhere Nachfrage. Natürlich spielen die Pandemie-Beschränkungen und der Lockdown im Jahr 2020 eine entscheidende Rolle. Doch betrachtet man die Marksituation der letzten Jahre so lässt sich erkennen, Bio nimmt Fahrt auf und gewinnt Marktanteile! Das höhere Interesse lässt sich über eine weite Produktpalette beobachten, so gewinnen auch Nischenprodukte wie Bio-Ingwer oder –Spitzkohl an Interesse.

Die Umstellung zur ökologischen Erzeugung muss gut vorbereitet sein. Achim Holzinger, Berater für gärtnerischen Gemüsebau, Bioland e.V., hat die wesentlichen Herausforderungen der ökologischen Produktion herausgearbeitet.

Er betonte die besondere Relevanz der Fruchtfolgegestaltung in der ökologischen Erzeugung. Die Einhaltung von Anbaupausen ist wichtig um bodenbürtigen Krankheiten und Schädlingen entgegenzuwirken. Die tragende Säule jeder Fruchtfolge stellt die Gründüngung dar. So werden nicht nur Nährstoffe konserviert, zusätzlich trägt sie zur Verbesserung der Bodenkultur und des Bodenlebens, zum Erosionsschutz und zur Qualitätsverbesserung der Nachkulturen bei. Besonders für die Umstellungszeit empfiehlt Achim Holzinger diese Methode als Vorbereitung für die ökologische Erzeugung.

Im Ökolandbau wird stets ein innerer Kreislauf angestrebt, jedoch ist es im intensiven Gemüsebau besonders schwierig diesem Anspruch gerecht zu werden. Wer keine Möglichkeit hat Nährstoffe über die Tierhaltung oder Biogassubstrat dem Boden zurückzuführen, greift zu Leguminosen oder Bio-Zukaufsdünger.

Die Umstellungsphase stellt eine gute Möglichkeit dar, Beikräuter zurückzudrängen. Da der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln verboten ist, kommt eine mechanische oder thermische Bearbeitung zum Einsatz. Bestimmte umweltschonende Insektizide und Fungizide können auch in der ökologischen Erzeugung eingesetzt werden.

Achim Holzinger verwies darauf, dass Beikräuter auch Nutzen bringen können. Sie verraten viel über die Qualität des Bodens, so deutet das Vorkommen verschiedener Zeigerpflanzen auf Mängel wie Nährstoffüberschuss, Verdichtung, pH-Wert oder Nährstoffmangel hin. Der Gärtner kann gezielt darauf reagieren und sein Management anpassen.

Die Umstellungszeit von zwei Jahren muss überbrückt werden. Ein finanzielles Polster ist notwendig, bis die Produkte unter dem Bio Label verkauft werden können. Zusätzlich ist es ratsam einen Umstellungsplan mit einem*r Bio-Berater*in zu erstellen und die Umstellung konkret zu besprechen.

Die Vermarktung der ökologischen Produkte sollte vor der Umstellung geklärt sein. Bei der Wahl des passenden Vermarktungsweges sollten Faktoren wie Größe des Betriebes, Spezialisierungsgrad, Marktnähe und die eigenen Neigungen und Motivationen berücksichtig werden.

Im Rahmen der Hamburger Bio-Offensive können geförderte Betriebschecks und Umstellungsberatungen für Hamburger Betriebe gebucht werden. 

Einen Blick auf einen Bio-Betrieb in Hamburg ermöglichte uns Markus Walkusch-Eylandt, Betriebsleiter der Gärtnerei Sannmann in den Vier- und Marschlanden.

Seit Jahrhunderten wird auf den fruchtbaren Böden der Vier- und Marschlanden Gemüse für die Stadtbevölkerung kultiviert. Die seit 250 Jahren in Familienbesitz geführte Gärtnerei Sannmann trägt, wie viele weitere, dazu bei, dass die Region als Gemüsegarten bekannt ist. Seit 1986 wird hier nach Demeter-Richtlinien gewirtschaftet. So wird eine Vielfalt an Kräutern, Salaten, Tomaten und anderem Feingemüse gezogen. Zusätzlich werden Rinder gehalten, um ein geschlossenen Nährstoffkreislauf zu gewährleisten. Eine eigene Kompostierungsanlage sorgt dafür, dass die Flächen mit ausreichend Phosphor und Kali versorgt werden. Insgesamt wirtschaftet der Betrieb auf 63 ha landwirtschaftlicher Fläche. Auch Markus Walkusch-Eylandt verweist auf die Relevanz der weiten Fruchtfolgen, um den Krankheitsdruck zu verringern. Zwischenfrüchte fördern die Bodenorganismen und können gleichzeitig als Futter für die Rinder genutzt werden. Eigens produzierte Kräuterfermente und Komposttees sollen zusätzlich den Boden vitalisieren.

Die Witterungsbedingungen in Norddeutschland stellen den Gärtnermeister vor die größten Herausforderungen, Folientunnel und Gewächshäuser können hier helfen Witterungseinflüsse zu regulieren.

Die Gärtnerei vermarktet ihre Produkte über eine Abo-Kiste, auf Wochenmärkten, im eigenen Hofladen, sowie im Onlineshop. Als besonderes Geschäftsmodel stellt die Gärtnerei zusätzlich kleine Gemüsegärten zum Selbsternten zur Verfügung.

Ähnlich wie die steigende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten erfreut sich dieses Angebot einer stetig wachsenden Beliebtheit.

Weitere Informationen zur Umstellung zum ökologischen Gemüsebau gibt es hier!

 
 
 

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