Im Rahmen der Hamburger Bio-Offensive fand am Freitag, den 18.09.2020 das Seminar „Pferdehaltung unter ökologischen Aspekten statt“ statt, das mit 18 Teilnehmer*innen regen Anklang fand. Sportliches und freizeitorientiertes Reiten ist in Hamburg weit verbreitet, dort leben fast 3.000 Pferde, Ponys und Esel (Stand 2016). Im Jahr 2013 wurden 6,9 % der deutschen Pferde und Ponys nach ökologischen Richtlinien gehalten. In der Veranstaltung wurden die Anforderungen an die Umstellung auf ökologische Pferdehaltung und die betrieblichen Perspektiven behandelt. Dr. Anna Bockelmann, Diplombiologin und selbstständige Beraterin, stellte ihren Vortrag zur pferdegerechten Vegetationszusammensetzung von Weiden in den entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang der Pferde. Erst durch das Leben mit dem Menschen hat der Grasanteil in der Ernährung des Pferdes stark zugenommen, dieser machte ursprünglich nur einen Bruchteil des Futters aus. In dieser Hinsicht sind die typischen Weiden Norddeutschlands zu nährstoffreich und artenarm. Diese Ernährung kann zu verschiedenen Stoffwechselerkrankungen führen. Nur auf extensivem Grünland finden sich fructan- und proteinarme Arten sowie faserreiches Material wie Sträucher, Büsche und Kräuter, die für die Gesunderhaltung der Tiere essentiell sind. Dr. Anna Bockelmann bietet Grünlandberatungen in Form eines Weidechecks an und berät Pferdebesitzer zu individuellen Fütterungs- und Bewegungskonzepten. Eike Poddey, Bioland Beraterin aus Visselhövede stellte in ihrem Vortrag den rechtlichen Rahmen der Bio-Pferdehaltung vor. Zudem zeigte sie beispielhaft den Ablauf einer Umstellung. Sie empfahl Interessierten hierbei eine begleitende Bio-Beratung in Anspruch zu nehmen, die gefördert über das Projekt Hamburger Bio-Offensive u.a. durch den Bioland-Verband erfolgen kann. Die Haltungsbedingungen für die Bio-Reitpferde unterscheiden sich kaum von der konventionellen Pferdehaltung und sollten für die meisten umstellungsinteressierten Betriebe keine große Herausforderung darstellen. Während das Futter aus ökologischem Anbau stammen muss, darf das Stroh für Einstreu noch konventionell bezogen werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Futter, welches die Pferdebesitzer selber mitbringen. Hier gibt es in jedem Bundesland individuelle Regelungen. So wird zum Beispiel in Hamburg toleriert, dass der Pferdebesitzer konventionelle Leckerlies füttert. Diese dürfen jedoch nicht im Betrieb gelagert werden. Heinz Cordes, Bioland Landwirt, hält in Hamburg auf dem Wohldorfer Hof Pensionspferde. Mit vielen Fotos zeigte er anschaulich, wie er die Öko-Regelungen in seinem Stall mit 55 Pferden umsetzt. Dabei stellt er sicher, dass für alle Pferde ausreichend Öko-Futter durch Weidegang, eigenen Öko-Hafer, Öko-Heu und –Lage sowie zugekaufte Öko-Pellets verfügbar ist, so dass kein Einsteller zufüttern müsse. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Umgang mit dem Mist der Tiere. Durch eine verlängerte Rottephase werden Rückstände aus dem konventionellen Stroh reduziert. Ein neuer Miststreuer ist besonders angepasst an die Hamburgische Landschaft, die von zahlreichen Gräben durchzogen wird. Hier ermöglicht eine Abschirmung zielgerichtetes Streuen und gewährleistet Schutz vor Nährstoffeinträgen in die Gewässer. Allen Umstellungsinteressierten rät er vor einer Umstellung zu einer genauen Abklärung der Regelungen bzw. Toleranzbereiche mit einer/m Berater/in und auch die Abstimmung mit dem sozialen Umfeld, den Einstellern, Freunden und besonders Familie empfiehlt er den Teilnehmer/innen. |